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13.02.2009

Apples Anti-Jailbreak-Argumentation

Der Digital Millenium Copyright Act (DMCA) verbietet (in den USA) u.a. das Umgehen oder Beseitigen von Kopierschutzmaßnahmen, bietet aber für bestimmte Anwendungsfälle Ausnahmeregelungen, über die die Library of Congress alle drei Jahre entscheidet - so können im Herbst 2009 neue Ausnahmeregeln in Kraft treten. Die Electronic Frontier Foundation (EFF) stellte Ende 2008 einen entsprechenden Antrag, der das 'Jailbreaking' legalisieren soll ('Proposed Exemption 5A') und das Entfernen eines SIM- oder Netlocks (weiterhin) als DMCA-Ausnahme definiert ('Proposed Exemption 5D' - bereits seit 2006 der Fall). Zudem fordert die EFF, dass ein Umgehen des DVD-Kopierschutzes gestattet werden soll, um z.B. 'Clips' für die Verwendung in nichtkommerziellen Videos zu extrahieren ('Proposed Exemption 11A').

Speziell der Jailbreak solle erlaubt werden, um rechtmäßig bezogene Programme ("lawfully obtained software applications") auf einem Mobiltelefon einzusetzen, so die EFF - im Falle des iPhones also z.B. Drittapplikationen, die nicht im App Store zu finden sind.

Apple stimmt erwartungsgemäß deutlich gegen die geforderte Ausnahmeregelung, denn Jailbreaking führe zu "Urheberrechtsverstößen", schade potentiell der Funktionsweise des iPhones (gemeint ist iPhone-Software, iPhone-Hardware sowie Mobilfunknetz) und stelle eine Vertragsverletzung ("breach of contract") dar, so die Argumentation des iPhone-Herstellers.

Der Jailbreak zerstöre die "chain of trust", die Nutzer vor den Problemen unerlaubter Modifikationen des Betriebssystems schütze, so Apple: «Dies lässt das iPhone potentiell anfällig gegenüber Sicherheitslücken, Malware sowie möglichem technischem Schaden werden. Apples Support-Abteilung erhält derzeit buchstäblich Millionen von Problemberichten, die von jailbroken iPhones stammen». Von 10.000 jailbroken iPhones erhielt Apple angeblich über 1,6 Millionen Berichte (Crash-Reports) zu einem bestimmten Jailbreak-bedingten "Software-Crash".
Zudem führt der Jailbreak in Apples Augen nicht zu einer legitimen Nutzung von Drittprogrammen, sondern in vielen Fällen zum Einsatz von "pirated applications". Dagegen hätten die "technological protection measures" (TPMs) des iPhones erst den florierenden App Store ermöglicht und somit keinesfalls die rechtmäßige Nutzung von Applikationen eingeschränkt. Wettbewerber würden dem App Store-Beispiel folgen (Apple nennt explizit 'Android Market', den 'Palm App Store' und 'Blackberry Store') und über eigene Stores Software anbieten, so Apples Schlussbemerkung - dies resultiere in weiteren urheberrechtlich geschützten Werken und negiere zusätzlich den Bedarf an der geforderten Erlaubnis für die Umgehung der TPMs. «The public has been greatly benefited by the iPhone and its related ecosystem, which have proved to be a tremendous engine of creation of copyrighted works that is unquestionably furthered by the TPMs Apple has innovated into the iPhone. The Copyright Office should reject in its entirety the proposed exemption that would permit jailbreaking.»

Faszinierende Lektüre also für jeden, der sich ansatzweise mit dem Phänomen Jailbreak beschäftigen möchte: Die 15-seitige EFF-Argumentation (PDF) und Apples 27-seitige Antwort (PDF). (via EFF)

Posted by Leo at 11:31 | Permalink

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