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15.04.2009

VoIP im Mobilfunknetz: Anhaltende Debatte um Skype auf dem iPhone [Update]

Im März 2008 erklärte Apple unumwunden, dass VoIP-Anwendungen auf dem iPhone rein per WLAN genutzt werden können und so gelangen nur entsprechend eingeschränkte Applikationen in den App Store. Ob diese Restriktion einem Eingeständnis an die iPhone-Exklusivanbieter entsprang, aus Qualitätserwägungen herangezogen wurde oder andere Gründe den Ausschlag gaben, lässt sich dabei lediglich spekulieren. Klar ist jedenfalls, dass z.B. in Deutschland die VoIP-Nutzung von sämtlichen Mobilfunkanbietern in ihren jeweiligen Datenverträgen ausgeklammert wird, so auch beim hiesigen iPhone-Exklusivanbieter T-Mobile, der zudem die Nutzung von Skype in den firmeneigenen Hotspots als ebenfalls vertraglich ausgeschlossen ansieht.

Doch erst die Veröffentlichung von Skypes eigener iPhone-Applikation Ende März 2009 schob die alte Problematik plötzlich vor ein breites Publikum und sorgt für erhebliches Aufsehen und verstärkte Rufe nach einer staatlichen Regulierung. So forderte in den USA die Netzneutralitäts-Interessengruppe Free Press (PDF) von der Federal Communications Commission (FCC) eine Klarstellung der Richtlinien zu Breitbandanschlüssen, die es Konsumenten künftig auch in Mobilfunknetzen erlauben soll, Dienste, Geräte und Applikationen nach freier Wahl zu nutzen. Ebenso möchte die Interessengruppe Voice on the Net (VON) Europe, der u.a. Skype, Intel und Micorosoft angehören, die Europäische Kommission dazu bewegen, den Konsumenten die VoIP-Nutzung im Mobilfunknetz mit dem eigenen Smartphone grundsätzlich zu erlauben.

Aus Brüssel sind bislang nur Andeutungen zu vernehmen, nach denen die neue Telekomrichtlinie, an der derzeit von allen Seiten gezerrt wird, den Weg auch für VoIP-Anwendungen im Mobilfunknetz ebnen könnte. So fordert, wie die Wirtschaftswoche unlängst meldet, «die Kommissarin [i.e. EU-Telekom-Kommissarin Viviane Reding] nationale Regulierer auf, „gegen Unternehmen vorzugehen, die unter Ausnutzung ihrer Marktmacht innovative Dienste ausbremsen“ – eine Drohung auch an Telekom-Chef René Obermann. Dem könnten sogar Sanktionen aus Brüssel drohen: Denn möglicherweise verstoße das Vorgehen der Telekom gegen EU-Wettbewerbsrecht, heißt es dort.»
Doch die vagen Drohungen in Richtung der Mobilfunkanbieter sind mit ebensovielen Konjunktiven gespickt, wie die "Warnungen" der Carrier an die eigenen Kunden, die sich an den vertraglich abgenickten VoIP-Ausschluss nicht halten (wollen): T-Mobile behält sich vor, diese von ihrem Vertrag auszuschließen, O2 will die bei «bei Internet-Telefonaten anfallenden Daten nachträglich berechnen», so wiwo.de.

Zwar geht die zunehmende mobile Datennutzung durchaus als Hoffnungsträger für anhaltendes Branchenwachstum durch, doch zeitgleich kämpfen die Mobilfunkbetreiber mit wegbrechenden Einnahmen aus Sprachtarifen, SMS- und fragwürdigen Mehrwertdiensten der eigenen bröckelnden 'walled gardens'. VoIP-Dienste von Drittanbietern sind dabei der Gipfel des latenten Kontrollverlusts, dem die Carrier seit Jahren unterworfen sind und durch den sich sich sowohl technisch wie finanziell weitreichend bedroht sehen: Schon jetzt stößt das Mobilfunknetz an Stellen mit gehäuftem Anteil von iPhone- und UMTS-Stick-schwingenden Datenjunkies schnell an seine Grenzen und der derzeit noch überwiegend mit Sprachminuten erzielte Umsatz dürfte sich durch qualitativ hochwertige VoIP-Dienste beschleunigt verringern - so verwundert kaum, dass AT&T die unmittelbare Konkurrenz nicht ins eigene Netz lassen möchte. «Skype ist ein Wettbewerber, ebenso wie Verizon, Sprint oder T-Mobile», so ein AT&T-Manager gegenüber USA Today und Skype «habe auch keine Verpflichtung AT&T-Dienste zu vermarkten. Wieso sollte dies umgekehrt der Fall sein?»

Mit LTE (Long Term Evolution) zeichnet sich am Horizont bereits der nächste Mobilfunkstandard ab, der im Verlauf der kommenden Jahre UMTS ergänzen und schließlich ablösen wird. LTE verspricht neben deutlich erhöhten Datenraten auch sehr geringe Latenzzeiten und ist damit prädestiniert für VoiP- und Videoanwendungen. Damit sollte sich auch für die Mobilfunkanbieter der Umsatzschwerpunkt auf Datenpakete verlagern und die Abwehrhaltung gegenüber dritten VoIP-Anbieter dürfte sinken, selbst wenn bis dahin keine EU-Regulierung erfolgt sein sollte.

Der Ist-Zustand bleibt vorerst allerdings wenig zufriedenstellend. Die Abwehrhaltung der Carrier ist aus ihrer Perspektive zwar logisch, dennoch lässt sich als Kunde kaum nachvollziehen, wieso der bezahlte Datentarif nur für bestimmte, vom Anbieter abgesegnete Daten genutzt werden kann - zumal die iPhone-Datentarife sowieso nach einem bestimmten Datenvolumen in ihrer Geschwindigkeit gedrosselt werden.

Kurzzeitig war mit der iPhone OS 3.0-Entwicklerversion zwar die Skype-Sprach-Nutzung auch im Mobilfunknetz möglich, doch mit der aktuellen dritten Beta wurde dieser "Bug" offenbar beseitigt und die entsprechende Nutzung unterbunden. Während Apple es technisch ermöglicht, das iPhone mit iPhone OS 3.0 als Modem zu verwenden, wurde in Hinblick auf die VoIP-WLAN-Beschränkung bislang keine Änderung kommuniziert.
Das neueste Update 1.0.2 der Skype-iPhone-Anwendung weist Nutzer erstmals darauf hin, dass nur iPhones mit "unmodifiziertem iPhone OS 2.2" unterstützt werden. Skype zeigte direkt nach der Erstveröffentlichung erhebliche Probleme im Zusammenspiel mit jailbroken iPhones, ob (und warum) das Update möglicherweise versucht, den VoIPover3G-Hack zu blockieren, der die Skype-Nutzung für iPhones mit Jailbreak im Mobilfunknetz ermöglicht, bleibt allerdings noch offen - auch mit Jailbreak funktioniert Skypes iPhone-Applikation ansonsten wie gewohnt, lässt aber das Telefonieren eben nur im WLAN zu. (Danke, @Almigurt und MD!)

Update 22:15 Uhr: Das Telefonieren übers Mobilfunknetz funktioniert offenbar teils weiterhin auch mit Skype 1.0.2, Jailbreak und VoIPover3G (Danke, Felix und Martin!).

Posted by Leo at 13:17 | Permalink

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