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6.10.2009

Apps für webOS: Kein Zwang zu Palms App Catalog

Klammert man Jailbreak und limitierte Ad-Hoc-Distribution aus, dann führt für (native) iPhone-Applikationen kein Weg am App Store vorbei. Entwickler zahlen jährlich 99 US-Dollar und können dann eine beliebige Menge an iPhone OS-Apps einreichen, die jeweils von Apple geprüft werden, um letztlich (möglicherweise) im App Store zu landen. 70% des Umsatzes verbleiben dem Entwickler, der Rest fällt an Apple. Das Anbieten kostenloser Programme kostet den Entwickler nichts.
Die von Apple speziell im mobilen App Store und in iTunes präsentierten Apps werden wohl durch regionale iTunes-Teams erkoren, inwiefern sich einer dieser prominenten Plätze auf anderem Wege ergattern lässt, ist ungefähr so mysteriös wie Apples gesamter iPhone-App-Zulassungsprozess.

Einige dieser Merkmale sind auch bei Palm wiederzufinden: Entwickler zahlen für ihren Zugang 99 Dollar pro Jahr, Palm behält 30% des Umsatzes ein und es gibt einen zentralen 'App Catalog' für das webOS, in dem nur von Palm geprüfte und zugelassene Anwendungen ankommen. Hier hören die Gemeinsamkeiten zum App Store jedoch auf, denn Palm verlangt $50 pro App-Einreichung und dürfte damit so manche Furz-App ebenso vermeiden wie spamartige Überflutungen mit Schrottapps. Die besonders hervorgehobenen Plätze im App Catalog wird Palm per Auktion an den meistbietenden Entwickler vergeben und damit Entwicklern ein zusätzliches (kalkulierbares) Marketinginstrument an die Hand geben.

Entscheidend ist aber der folgende Unterschied: Entwicklern wird es möglich sein, ihre Apps auch außerhalb des 'App Catalog' anzubieten. Eine webOS-App kann nämlich durch den Entwickler selbst zertifiziert werden und erhält daraufhin eine eigenständige URL zugewiesen, über die die App verbreitet werden kann. Palm stellt auch diese Apps "over-the-air" bereit, d.h. sie landen komfortabel beim Nutzer und werden zentral von Palm abgerechnet, aber sie unterliegen eben nicht einem mit Wartezeit verbundenen Zulassungsprozess.

Open-Source-Software soll auf ähnlichem Wege kostenlos angeboten werden können, ohne dass Entwickler die jährlichen 99 Dollar dafür zahlen müssen.

Es wird sich erst zeigen müssen, ob der Zulassungsprozess bei Palm ähnliche Absurditäten hervorbringt wie der des App Stores, doch die stets vorhandene Möglichkeit, Applikationen davon unabhängig für das webOS anzubieten, dürfte keine allzu großen Entrüstungsstürme aufkommen lassen. Offen ist außerdem, wie Palm mit Apps verfahren wird, die von Carriern gerne vermieden werden (VoIP, Tethering) und das Unternehmen behält sich ebenfalls vor, aus der Ferne webOS-Applikationen zu "blockieren, modifizieren oder zu entfernen".
Ein interessanter Mittelweg ist damit jedenfalls beschritten, der hoffentlich auch Apple langfristig das derzeitig völlig abgeschottete App Store-Konzept mit seinen kafkaesken Richtlinien überdenken lässt - auch wenn der massive bisherige Erfolg dafür kaum ein Ansporn sein dürfte.

Posted by Leo at 18:54 | Permalink

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