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27.10.2009

Zwei Wochen mit Palm Pre und webOS [Update]

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Die Entstehungsgeschichte von iPhone und Pre ist in gewisser Weise verwoben, denn Apple warb für die Entwicklung des iPhones etliche Palm-Mitarbeiter ab und Palm griff schließlich bei der Arbeit an Pre und webOS zurück auf die Apple-Belegschaft. Mit Jon Rubinstein an der Spitze besitzt Palm zudem einen CEO, der bestens mit Apples Philosophie vertraut ist, schließlich arbeitete dieser rund ein Jahrzehnt lang unmittelbar für und mit Steve Jobs. So wählte Palm für den Pre das auch dem iPhone zugrundeliegende Konzept und entwarf Hardware wie OS wieder selbst. Der Pre setzt ebenfalls auf ein kapazitives Multitouch-fähiges Display und verschiedene Gesten zur Steuerung, versucht zugleich aber, sich in etlichen Details vom iPhone abzusetzen: Hardware-Tastatur, Akku-Wechselmöglichkeit, LED-Blitz sowie Multitasking und ein fehlender App Store-Zwang zählen zu den gerne hervorgehobenen Abgrenzungspunkten.
Parallel zum vertrauten iPhone nutzte ich die vergangenen zwei Wochen über den Palm Pre in seiner noch recht jungen UMTS-Version, um dessen Stärken und Schwächen im Alltagseinsatz ausgiebig auf mich wirken zu lassen.

Hardware:
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Zusammengeschoben ist der Pre etwas kleiner und handlicher als das iPhone, zumindest in Länge und Breite. Die durch die Tastatur bedingte zusätzliche Dicke fällt nur geringfügig auf. Die Abmessungen und seine abgerundete Form lassen den Pre sehr angenehm in der Hand ruhen, allerdings besteht er rundum aus Plastik und fühlt sich auch deutlich so an, Knarzen bei leichtem Druck inklusive. Durch den Schiebemechanismus wirkt das Gehäuse außerdem unruhig, da es bei jeder Berührung in Bewegung gerät und beispielsweise beim Betätigen der Standby-Taste der Handballen ungewollt die Gehäuseoberseite verschiebt.

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Eine wahre Meisterleistung an labiler Plastikkonstruktion ist die Abdeckklappe des Micro-USB-Anschlusses auf der rechten Seite, die sich nur im aufgeschobenen Zustand passabel öffnen lässt und selbst dann den Eindruck erweckt, nicht mehr lange am Gehäuse verbleiben zu wollen.

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Bei ausgefahrener Tastatur ist der Pre wiederum deutlich länger als das iPhone, liegt allerdings weiterhin gut in der Hand, auch wenn das Gerät dann etwas zu Kopflastigkeit neigt.

Der Formfaktor ist insgesamt äußerst angenehm, Material und Verarbeitung wirken dahingegen höchstens durchschnittlich, eher sogar billig. Das Gewicht entspricht mit 136 Gramm dem des iPhones (135g).

Display:
Das Display besitzt dieselbe Auflösung wie das des iPhones, ist allerdings mit 3,1" etwas kleiner geraten - dies wird insbesondere im Browser oder beim Betrachten von Videos deutlich. Die Farbdarstellung ist angenehm kräftig, allerdings vermisse ich die automatische Helligkeitsregulation des iPhones (der Pre soll einen Umgebungslichtsensor besitzen, allerdings habe ich davon bisher nichts bemerkt). Die Displayoberfläche verschmutzt enorm schnell und lässt sich im Gegensatz zur oleophoben Beschichtung des iPhone 3GS nur vergleichsweise schwerlich reinigen.
Die berührungsempfindliche Oberfläche des Pre reicht über das untere Ende des Displays hinaus und erlaubt somit einige zusätzliche systemweite Gesten: Ein Wischen nach links auf dieser Fläche ist z.B. die universelle 'Zurück'-Geste. Zusätzlich lässt sich das in einer aktiven Applikationen ebenfalls ausgeblendete Dock jeweils wieder "hineinschieben", indem der eigene Finger aus dem unteren Bereich langsam auf den Bildschirm geschoben wird.

Tastatur:
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Die Hardware-Tastatur des Pre besitzt grob die Abmessungen der virtuellen iPhone-Tastatur und nach kurzer Eingewöhnung würde ich meine Tippgeschwindigkeit auf beiden Geräten ähnlich einordnen. Die Tasten sind zweifellos klein, doch wirklich knifflig wird es bei Tastenkombinationen - für einen Screenshot müssen beispielsweise die orangenfarbene Taste, Sym und P gleichzeitig gedrückt werden - das verlangt Übung. Letztlich dürfte es eine Frage der Fingergröße bleiben, ob die Tastatur des Pre als akzeptabel durchgeht. Insgesamt erscheint mir mein Tippen zwar ähnlich schnell wie auf dem iPhone, doch gleichsam ermüdender.
Zudem ist die Flexibilität einer virtuellen Tastatur zu vermissen, schließlich lässt sich der schnelle Wechsel zwischen verschiedenen Sprachen und Zeichen auf einer Hardware-Tastatur niemals in dieser Form realisieren. Davon profitieren nicht nur Sinologen, sondern das simple Umschalten des Tastaturlayouts und der damit verknüpften Rechtschreibkorrektur ist schon für jeden praktisch, der ab und an zwischen Englisch und Deutsch wechselt. Beim Pre bleibt man dabei auf die jeweils eingestellte Sprache limitiert (deren Änderung wiederum einen Neustart voraussetzt) und die (nicht deaktivierbare) Autokorrektur beschränkt sich im Deutschen auf das automatische Setzen von Umlauten. Wenn aber z.B. 'wuerde' statt 'würde' getippt wurde, verbessert webOS ausgerechnet zu 'Würde', insofern ist dies oft nicht wirklich hilfreich, zumal längst nicht jedes Wort mit Umlaut erkannt und angepasst wird.

OS:
Der Palm Pre wird in Deutschland (bzw. Europa) mit webOS 1.1.3 ausgeliefert während in den USA derzeit Version 1.2.1 aktuell ist. Letztgenannte führt bereits eine ganze Ladung an Neuerungen mit sich (z.B. Suche in E-Mails, Bezahlapps, etc.), die hierzulande noch fehlen und versteht sich derzeit auch mit iTunes 9. Spätestens im kommenden Monat sollte ein entsprechendes Update (gerüchteweise webOS 1.3) den Pre international endlich auf denselben Stand bringen.

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Vom iPhone kommend erscheint webOS in weiten Zügen vertraut: Es besitzt ein Dock am unteren Ende, das sich mit bis zu vier Apps der eigenen Wahl belegen lässt und es gibt den dreiseitigen 'Startbildschirm' der ungefähr den Home-Bildschirmen des iPhones entspricht und der sich jederzeit über das fünfte feste Dock-Icon einblenden lässt.

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Die webOS-Hauptansicht bietet den Blick auf die 'Karten' - alle aktuell geöffneten Apps bzw. Webseiten. Damit sind wir auch schon bei einem der drei gewichtigen Vorteile angekommen, mit denen Palm dem iPhone OS einen guten Schritt voraus ist:

Multitasking:
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Die Umsetzung des Multitaskings ist für ein mobiles Gerät hervorragend. Laufende Apps und offene Webseiten werden als "Karten" angezeigt (ähnlich der Übersicht der geöffneten Seiten in Mobile Safari), die sich den eigenen Wünschen entsprechend sortieren lassen. Soll eine App beendet werden, flippt man diese mit dem Finger über das obere Bildschirmende.

webOS warnt, wenn der Speicher knapp wird - dies kann an unterschiedlichen Zeitpunkten auftreten, in einem Fall kam es erst nach zwölf gleichzeitig geöffneten Apps und Webseiten dazu, aber teils erscheint die Warnung bereits erheblich früher - es bietet sich also weiterhin an, nicht unmittelbar benötigte Apps doch wieder zu schließen. Das große Problem des Multitaskings beim Pre ist allerdings die einhergehende Langsamkeit - ab einer gewissen Menge an offenen Apps ist das iPhone 3GS schneller beim schnellen Programmwechsel, obwohl die Apps jeweils neu geöffnet werden müssen. Dies führt auch zu verstärkt hektischem Fingergepatsche, da es oft erscheint, als sei die Berührung gar nicht wahrgenommen worden - ein Problem, das mir vom iPhone 3GS nahezu völlig unbekannt ist. Selbst im Vergleich zum iPhone 3G wirkt webOS teils zäh - dies ist bemerkenswert, da sich der Pre vom Prozessor und Arbeitsspeicher her auf dem Niveau des iPhone 3GS bewegt.

Hintergrundprozesse:
Geöffnete Apps können im Hintergrund weiterlaufen. Damit ist es natürlich möglich, Webradio oder ähnliche Streaming-Apps zu nutzen, ohne gezwungenermaßen in der App selbst verbleiben zu müssen. Es ist eins der Anwendungsszenarien, die auf dem (jailbreak-losen) iPhone derzeit schlicht nicht möglich sind und für die Apples Push-Benachrichtigungsdienst keinen Ersatz bieten kann.
Apple erlaubt auf dem iPhone OS nur eigenen Anwendungen bzw. Prozessen ein Weiterlaufen im Hintergrund, webOS bietet diese Möglichkeit auch für Drittapps - ein Twitterclient muss (falls er diese Funktion bietet) also weder aktiv im Vordergrund noch überhaupt unter den laufenden Programmen sein - stattdessen übernimmt ein Hintergrundprozess den Abruf neuer Tweets und meldet diese per Benachrichtigungsfunktion. Wenig positiv erscheint dabei, dass dem Normalanwender diese Hintergrundprozesse weitestgehend verborgen bleiben - was also gerade in welchen Intervallen wohin Verbindung aufnimmt, bleibt komplett unklar.


Benachrichtigungen:
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Alle neu eingehenden Nachrichten oder Statusmeldungen schieben sich dezent an das untere Ende des Bildschirms und erfordern -im Gegensatz zum iPhone OS- keine direkte Handlung (und damit Unterbrechung) des Nutzers. In dem "Dashboard" genannten Bereich können diese dann jeweils detaillierter eingesehen werden (siehe Foto) und entweder direkt in der jeweiligen App aufgerufen oder per Fingerwisch entfernt werden. Dies bietet auch auf dem gesperrten Homescreen einen schnellen Überblick aller verpassten Nachrichten.

Das Benachrichtigungssystem ist mein persönlicher Favorit des webOS und zugleich eine der größten derzeitigen Schwächen des iPhone OS. Gerade Apples Push-Benachrichtigungen demonstrieren eindrucksvoll, dass das aktuell modale Nachrichtenfenster wenig Flexibilität zeigt, bei aktiver Benutzung des iPhones stört und nach "Abwesenheit" keinen guten, schnellen Überblick der verpassten Dinge bietet.

Adressbuch:
Das Adressbuch des Pre zapft Google, Facebook und/oder Exchange-Konten an und integriert die darüber bezogenen Daten in einem einzelnen Adressbuch. Zusätzlich werden eigene IM-Kontakte berücksichtigt und ebenfalls mit ihrem Onlinestatus im Adressbuch angezeigt. Idealerweise werden gleiche Kontakte aus verschiedener Quelle automatisch verknüpft, dies lässt sich auch manuell vornehmen bzw. korrigieren.
Zwar schnappt sich der Pre brav die Informationen der Google-Kontaktliste, aber auf dem Pre neu hinterlegte Kontakte gerieten nur sehr schwerfällig oder teils gar nicht zurück zu Google. Mir ist auch nicht klar geworden, in welchen Intervallen das Adressbuch jeweils mit seinem Online-Gegenstück abgeglichen wird - von Push war dabei jedenfalls nichts zu spüren.
Die Integration von Facebook und (in den USA mit webOS 1.2.1 auch) LinkedIn ist interessant, da sich in diesem Fall das Adressbuch gewissermaßen von selbst pflegt - allerdings ist man natürlich darauf angewiesen, dass die Kontakte ihre eigenen Daten auch fehlerfrei einspeisen, sonst kann es durchaus zu Schwierigkeiten kommen. Der Abgleich findet hier natürlich nur einseitig statt - von Facebook auf den Pre, aber nicht umgekehrt.
Die Konfiguration vollzieht sich zumindest in Hinblick auf Facebook und Google weitestgehend automatisch, richtet man beispielsweise erstmals seinen Gmail-Account ein, werden zugleich die Daten von Google-Kalender und Google-Adressbuch auf den Pre gezogen.

Messaging:
Die Messaging-App verknüpft SMS (sowie MMS) und Instant Messaging - die Unterhaltung mit ein und derselben Person kann also fließend sowohl per IM (derzeit Google Talk und AIM) wie SMS geführt werden und landet gesammelt in einer "Unterhaltung". Die Chance der IM-Integration hat Apple seltsamerweise komplett vergeben, obwohl die SMS/MMS-App sich visuell so deutlich an iChat anlehnt.

E-Mail:
Das beste an der Mail-Anwendung des Pre ist die 'Unified Inbox', die alle Posteingänge sämtlicher eingerichteter Konten gemeinsam anzeigt - dies ist beim iPhone weiterhin schmerzlich zu vermissen. Allerdings fehlt webOS derzeit eine Möglichkeit, mehrere E-Mails gemeinsam zu verschieben oder zu löschen. Davon abgesehen ist die Mail-App sehr solide, zeigt aber oft arge Behäbigkeit, die die Abhandlung größerer E-Mengen quälend werden lässt.

Browser:
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Der Seitenaufbau des ebenfalls auf WebKit basierenden Browsers ist ähnlich schnell wie vom iPhone 3GS gewohnt, allerdings fällt es mir teils erheblich schwieriger, einzelne Links zielsicher zu treffen.
Besonders hartnäckig ist der Browser-Cache, praktisch zwar beim schnellen Zurückspringen zur vorherigen Seite, allerdings werden oft ältere Seitenversionen vorbehalten und erst nach erneutem Reload die aktuelle Fassung angezeigt. Auch neigt der Browser zu einer gewissen Cookie-Vergesslichkeit, die z.B. häufiges erneutes Anmelden bei Google Reader erzwingt. Für das iPhone optimierte Seiten stellen sich auch überwiegend gut auf dem Pre dar.
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Der webOS-Browser beherrscht die bekannten Gesten - Doppeltap zoomt auf den jeweiligen Textausschnitt und per 'Pinch' lässt sich hinein- und hinauszoomen. Auch dies läuft allerdings nur vergleichsweise widerwillig und zittrig ab, ebenso wie das Drehen des Bildschirminhalts beim Drehen des Pre (letzteres meist nur bei etlichen geöffneten Seiten bzw. Apps).

Besonders störend fällt im Browser auf, dass ein Tippen auf die Statusleiste nicht zu sofortigem Nach-Oben-Scrollen führt - so wie es auf dem iPhone systemweit der Fall ist. Dies ist einer der Punkte gewesen, die mich bei der Alltagsbenutzung des Pre mit am meisten irritiert haben. Das Berühren der Statusleiste in Höhe von Uhrzeit oder Netzbalken lässt stattdessen ein eigenes Menü herunterfahren, welches Datum, Uhrzeit und Akkuzustand anzeigt sowie den Schnellzugriff auf Bluetooth, WLAN und Flugzeugmodus bietet. Letzteres hatte ich mir eigentlich für das iPhone immer gewünscht, doch hier zeigte sich, um wieviel wichtiger die Möglichkeit ist, sich unmittelbar wieder an den Seitenanfang zu begeben. Manche webOS-Apps simulieren dies mit ihrer eigenen Statusleiste, die dann ebenfalls bei Berührung wieder ans obere Ende gelangen lässt - dies ist aber längst nicht so bequem und zuverlässig wie die systemweite zuverlässige Umsetzung des iPhones.

Kalender:
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Auch der Kalender kann seine Daten direkt von Google beziehen (oder alternativ ebenfalls über Exchange) - das funktionierte soweit gut, aber Termine kamen jeweils nur mit leichter Verzögerung an. Die größte Stärke des Kalenders ist, freie Zeiträume "zusammenzuziehen" und damit einen besseren Überblick der anstehenden Termine zu geben. Auch der Kalender ist jedoch ein zäher Kandidat, der Wechsel zwischen Tagen oder den verschiedenen Ansichten (Tag, Woche, Monat) ist durchaus als behäbig zu bezeichnen. Je voller der Kalender, desto nervender wird der Ansichtswechsel und trieb schon manchen dazu, webOS bis auf weiteres zu verwerfen.

Medienabspieler:
Wer sein Telefon häufig zum Abspielen von Musik, Videos, Filmen und Serien einsetzt, sollte sich auf eine (im Vergleich zum iPhone) äußerst rudimentäre Umsetzung gefasst machen. Mit Musik und einzelnen Videos lässt sich ganz gut umgehen, für Podcasts oder ganze TV-Serien steht aber keine angepasste Oberfläche bereit und deren Konsum ist damit höchst umständlich bis völlig ungenießbar.
In den USA kann zum direkten Musikkauf auf Amazon MP3 zurückgegriffen werden (neuerdings auch über das Mobilfunknetz), doch dies ist hierzulande nicht möglich.

YouTube-App:
Die YouTube-App ist ebenfalls begrenzt und fällt selbst minimaler aus als die ursprüngliche YouTube-App des iPhone OS vor Version 3.x. Sie weist aber einen einzigen (großen) Vorteil auf: Videos werden auch über UMTS in guter Qualität angezeigt während das iPhone zwangsweise die entsetzlich komprimierte Fassung wählt. Die Möglichkeit, eigebettete YouTube-Videos im Browser abzuspielen fehlt dem Pre ebenfalls - allerdings soll noch in diesem Jahr das angepasste Flash-Plugin für webOS veröffentlicht werden und man darf gespannt sein, wie sich dieses verhält.

Datenabgleich:
Wer seine Kontakte und Termine bei Google oder in einem Exchange-Umfeld verwaltet, kann mit dem Pre unmittelbar loslegen. Die Verbindung aus iCal, Google-Kalender und Pre funktionierte bei mir einwandfrei, der Sync des Snow Leopard-Adressbuchs mit Google ist allerdings weiterhin eher nervend und führt u.a. gerne zu duplizierten Kontakten und anderen Merkwürdigkeiten. Hinzu kam, dass ein auf dem Pre hinterlegter Kontakt -wie bereits erwähnt- nie zu Google und damit auch nie ins Mac OS X-Adressbuch gelangte.

Palm stellt einen 'Datenübertragungsassistenten' bereit, mit dem sich auch Daten aus iCal und Adressbuch auf den Pre übertragen lassen - diesen habe ich allerdings ebenso wenig ausprobiert wie Missing Sync.

Akkulaufzeit:
Wenn der Pre nahezu komplett leergelaufen ist, liegt der Akku des iPhone 3GS meist noch bei kapp 50%. Beide Geräte wurden in den Testläufen mit einem zu zwei Dritteln gedimmtem Display (iPhone mit Auto-Helligkeit) rein im UMTS-Netz betrieben und Push-Mails waren jeweils für zwei Mailkonten (IMAP + Exchange) aktiviert. Auf dem iPhone 3GS waren zudem Push-Notifications aktiviert und es wurde rund 25 Minuten (mit dem iPhone) telefoniert. Darüber hinaus fand nur eine sehr moderate Nutzung beider Geräte statt. Das iPhone zeigte zu Zeitpunkt des leeren Pre einen Akkustand von knapp 50%, eine Standby-Zeit von gut 9 Stunden und eine Nutzungszeit von knapp 2,5 Stunden an.

Kamera:
Zum Vergleich: Dasselbe Motiv, aufgenommen mit iPhone 3GS und Palm Pre. Seine Stärken spielt das iPhone 3GS im Makro-Bereich aus, lässt allerdings einen Blitz vermissen - wobei der Pre bei dunkleren Motiven zu argem Rauschen neigt, dagegen hilft auch der LED-Blitz nicht.
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Fotos des Pre lassen sich nur dann (automatisch) mit Geotags versehen, wenn die "Automatische Ortung" eingeschaltet wurde. Videos können derzeit nicht aufgenommen werden.

Dienste:
Palm bietet einen (kostenlosen) Backupdienst, der einmal täglich die wichtigsten Benutzereinstellungen des eigenen Palm Profils in der Wolke sichert. Nach einem kompletten Zurücksetzen oder bei einem Neugerät lässt sich damit der vorherige Zustand (in Hinblick auf Zugangsdaten, etc.) weitestgehend unmittelbar wieder herstellen - ob dies einwandfrei funktioniert, habe ich allerdings nicht ausprobiert. Zudem ermöglicht Palm (ebenfalls kostenlos) das Fernlöschen des eigenen Gerätes.

Carrier:
Ebenso wie das iPhone wird auch der Pre nur von einem Exklusivanbieter angeboten, allerdings bietet O2 Deutschland den Pre ohne ärgerliche Netzsperre an. O2 Deutschland scheint damit allerdings auch die Ausnahme, denn die anderen europäischen Pre-Exklusivanbieter (inklusive O2 UK) greifen ebenfalls auf einen Netlock zurück. Zudem erlaubt O2 Deutschland sowohl VoIP wie Tethering ohne Aufpreis, beides lässt sich mit dem Pre (hackfrei) vorerst allerdings nicht nutzen.
Wie gut sich der Pre bei O2 schlägt, konnte ich nicht testen, da ich diesen rein im Netz von T-Mobile genutzt habe.

App Catalog:
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Der Vergleich zum App Store ist vorerst sinnlos, da Palms Softwareverzeichnis für Drittanbieter in den Kinderschuhen steckt und noch nicht allgemein für Entwickler zugänglich ist. In Europa ist es derzeit zudem nicht möglich, kostenpflichtige Anwendungen zu erwerben. Beides soll sich bis zum Jahresende ändern und dann darf man zumindest gespannt sein, welchen Verlauf die weitere Entwicklung des App Catalog nimmt - zudem wird Palm für Entwickler die erfreuliche Möglichkeit bereitstellen, Apps auch ohne Zwangsprüfung außerhalb des App Catalogs anzubieten.

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Als kleiner Vergleichspunkt seien Twitter-Clients herangezogen: Während man sich auf dem iPhone vor hochgradigen Twitter-Apps gar nicht mehr retten kann und deren Zahl längst zweistellig sein müsste, gibt es für den Pre (hierzulande) derzeit drei Exemplare zur Auswahl. Diese sind durchaus nett, spielen aber in einer völlig anderen Klasse als beispielsweise Twitterific oder Tweetie 2 und sind zudem oft besonders zäh, so dass selbst das Scrollen in der eigenen Timeline nur wacklig vonstatten geht.

Homebrew:
webOS besitzt bereits eine sehr lebhafte Homebrew-Szene und das Aktivieren der entsprechenden Möglichkeit scheint nicht allzu problematisch auszufallen, ausprobiert habe ich es bis jetzt allerdings nicht.

Fazit:
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Der Pre ist fraglos ein interessantes Gerät, hängt in einer Vielzahl von Details dem iPhone aber um rund ein Jahr hinterher. Gleichzeitig fühlt sich webOS sehr vielversprechend an und ist in Bezug auf Benachrichtigungen und die grandiose Umsetzung von App-Switcher und Multitasking dem iPhone OS 3.x bereits einen kräftigen Schritt voraus - allein die nötige Geschwindigkeit fehlt schmerzlich. Das Scrollen und Wechseln verschiedener Ansichten ist teils eine wahre Zumutung und das nicht nur in den Apps von Drittanbietern. Ebenso bleibt Multitasking weitestgehend witzlos, solange ich mit dem iPhone 3GS schneller zwischen Apps zu wechseln vermag.
Sollte Palm eine wirklich tiefgreifende Geschwindigkeitsoptimierung gelingen, die Hardware in Zukunft wertiger ausfallen und der App Catalog sich Anfang 2010 mit Interessantem füllen, dann könnte webOS zu einer sehr feinen Plattform heranreifen. Derzeit ist der Pre jedenfalls keine Konkurrenz zum iPhone, aber er ist eine Alternative bei totaler T-Mobile-Verweigerung (und Aversion gegen den iPhone-Kauf im EU-Umland) oder völliger Ablehnung von Apples App Store-Willkür - eine hohe Toleranz für Trägheit sollten Pre-Käufer allerdings mitbringen oder bereitwillig der Entschleunigung huldigen.

[Falls es noch spezifische Fragen zu Pre oder webOS geben sollte, können diese gerne in den Kommentaren gestellt werden.]

Disclosure: Der Palm Pre wurde mir zu Testzwecken freundlicherweise von O2 Deutschland zur Verfügung gestellt.


Update 28.10.09 11:40 Uhr
Kleiner Nachtrag zu einigen offenen Aspekten:

Mir fehlt derzeit der Vergleich bzw. die Erfahrung mit Android 1.6 und aktueller Android-Hardware. Diese Alternative werde ich vielleicht wieder näher in Augenschein nehmen, sobald Android 2.0 und die ersten Geräte mit Cortex-A8 auf dem deutschen Markt ankommen.

Vollkommen unter den Tisch gefallen sind unter anderem: Accessoires, Bluetooth-Anbindung und das hochgradige Spieleangebot des App Stores, dem ein paar Sudoku-Titel auf dem Pre gegenüberstehen.

Das drahtlose Strom-Betanken per (optionalem) Touchstone habe ich leider nicht getestet, es gefällt mir als Konzept aber äußerst gut.

Noch eine Anmerkung zu Copy&Paste: Als der Pre im Januar vorgestellt wurde, war C&P eine der besonders betonten Funktionen, da das iPhone OS dies zu diesem Zeitpunkt noch nicht bot (und erst als eine der großen Neuerungen in iPhone OS 3.x nachreichte). Dabei zeigt sich, wie umfassend und angenehm die Umsetzung auf dem iPhone geraten ist: Copy&Paste auf dem Pre ist z.B. nur mit zwei Händen möglich, da zur Textauswahl zusätzlich immer die Shift-Taste gedrückt werden muss. Das Auswählen und Markieren der richtigen Textstelle auf dem Touchscreen des Pre verlangt deutlich mehr Übung als auf dem iPhone. Zudem lässt sich Text nur aus Textfeldern kopieren - allerdings erweiterte dies Palm auch schon stückweise mit webOS 1.2.1 auf Webseiten und E-Mails.

Der Preisvergleich blieb völlig unerwähnt, da ich diesen nicht im Vergleich mit dem iPhone nicht für sonderlich relevant halte: Der Pre (8GB Speicherplatz) kostet mit rund 480 Euro (ohne Vertrag) ungefähr ebensoviel wie ein iPhone 3G (8GB) und er ist 120 Euro günstiger als das iPhone 3GS (16GB). Dämlicherweise lässt sich das iPhone natürlich hierzulande nicht vertrags- und netlockfrei zu Apples Normalpreis (siehe Italien 600 Euro für 16GB 3GS) erwerben.

Zu meinem eigenen Erstaunen habe ich festgestellt, dass es sich sehr angenehm anfühlt, ab und an doch wieder auf echten Tasten statt immer nur auf einer virtuellen Minitastatur zu tippen.

Nur um diesen Punkt zu unterstreichen: Der Artikel ist nicht als Objektivität vorgaukelnder Testbericht gedacht, sondern mein persönlicher Erfahrungsbericht aus Perspektive eines iPhone-Intensiv-Nutzers.

Posted by Leo at 19:55 | Permalink

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