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25.02.2005

Patalong recherchiert Apple kaputt [Update_2]

Den Unmut über ein fehlendes FireWire Kabel konnte sich Frank Patalong nicht entgehen lassen und so schrieb er 'Der Feuerdraht verlischt', ein Artikel, der selbst für SPON Verhältnisse durch besonders fehlende Recherche und tendenziöse Darstellung heraussticht. Deshalb in bester Macmediawatch-Tradition der MacGuardians ein Kommentar zu beinahe jedem Absatz des genannten Artikels:

"Jeder zehnte erwachsene Amerikaner, war kürzlich Medienmeldungen zu entnehmen, nennt mittlerweile stolz einen iPod sein eigen: Apples MP3-Player ist der größte Verkaufserfolg in der Geschichte der Firma."

Ah, Medienmeldungen, welch hervorragende Quelle zum Einstieg. Patalong bezieht sich offensichtlich auf die Telefoninterviews des Pew Internet & American Life Project (gabs auch bei CNET zu lesen und natürlich auch im MacOrama). Dabei kam allerdings heraus, dass jeder zehnte (genaugenommen 11%) erwachsene Amerikaner einen MP3 Player besitzt. Wohlgemerkt MP3 Player (auch wenn der iPod durchaus als Synonym herhält). Demnach besitzen mehr als 22 Millionen Amerikaner einen MP3 Player, Apple verkaufte den zehnmillionsten iPod gerade im Dezember 2004. Damit ist bereits der erste Satz des Artikels falsch. Ob der iPod Apples größter Verkaufserfolg überhaupt ist, sei dahingestellt und ist in erster Linie natürlich vom Referenzpunkt abhängig.

Man kann die Meldung allerdings auch anders lesen. Legt man Apples Marktanteil auf dem Computermarkt zugrunde, der sich typischerweise zwischen zwei und drei Prozent bewegt, könnten die Zahlen folgendes bedeuten: Mindestens zwei Drittel aller iPod-Nutzer besitzen keinen Apple-Computer. Und das setzt sogar voraus, dass alle Apple-Computernutzer auch einen iPod besäßen.

Man kann die Meldung natürlich auch richtig recherchieren, jedenfalls ist es müßig mit falschen Ausgangszahlen weiterzurechnen (zumal die sinnvolle Verknüpfung zwischen PC-Marktanteilen und Telefoninterviewerhebungen unter Konsumenten nicht einfach werden dürfte). Früher sprach Apple immer von einem 50/50 Verhältnis zwischen Mac und Windows iPod Käufern, aber inzwischen darf man natürlich vermuten, dass der größte Prozentsatz unter den iPod Neukäufern Windowsnutzer sind.

Je mehr Apple jedoch den Massenmarkt bedient, desto stärker gerät es auch in den Sog ganz normaler Konkurrenzen: Bisher hatte Apple seine Preise relativ frei gestalten können, mit eher hoch angesetzten Verkaufspreisen zum Image der Exklusivität der Marke beigetragen. Das funktioniert nur in Grenzen, wenn man Märkte nicht nur mit besonderen Produkten "würzen", sondern beherrschen will. Auf die Ankündigung eines üppig ausgestatteten Musicplay-Mediaplayers reagierte Apple in Deutschland umgehend mit einer Preissenkung für iPods.

Selbst mit den 'eher hoch angesetzten Verkaufspreisen' würzte Apple den Markt nicht, sondern beherrscht ihn bereits (spätestens seit Mitte letzten Jahres in den USA). Die Preissenkungen und Neuigkeiten beim iPod als reine Reaktion auf die Ankündigung des 'üppig ausgestatteten' Musicload Max P-X darzustellen ist so wenig ernstzunehmen, dass es sich gar nicht näher darauf einzugehen lohnt.

Doch der Trend ist ein weltweiter - und hat seine Schattenseiten. Sinkende Preise mögen die Verkaufschancen erhöhen, doch sie senken auch die Profitmargen.

BWL-Binsenweisheiten-Füllmaterial.

Genau so begründet die Apple-Zentrale in Cupertino den Schritt, dem iPod künftig nur noch ein Kabel für die Datenübertragung zum Rechner beizulegen - und zwar das USB-Kabel. Auf die Eigenkreation Firewire, von Apple-Fans als überlegene Schnittstelle gelobt, verzicht Apple künftig. Wer das braucht, soll es sich kaufen.

Wo genau begründet die Apple-Zentrale in Cupertino diesen Schritt denn so? Joswiaks Aussage dazu lautete: "There is no doubt that USB 2 is the proper common interface of choice," Joswiak said, adding that Apple will continue to support FireWire as an option." So kann man es bei CNET lesen. Wenn es eine Vermutung des Autors ist (und ich teile diese Vermutung), dann braucht man es kaum als 'Begründung aus Cupertino' darzustellen. Zudem verzichtet (nicht 'verzicht') Apple gar nicht auf die 'Eigenkreation Firewire' sondern lediglich auf das entsprechende Kabel. Warum so schwammig formuliert Herr Patalong?

Der Schritt kommt bei Apple-Fans nicht gerade gut an. Eine erste Online-Petition "Bring Firewire back to iPods" fand bereits an ihrem ersten Tag rund 2300 Unterstützer.

Überwiegend richtig.

Ab 2003 unterstützte der iPod auch den USB-Standard, das passende Kabel musste sich der Kunde aus der Windows-Welt aber noch selbst dazukaufen (für ca. 19 Dollar).

Stimmt, aber seit iPod mini (Anfang 2004) und der vierten iPod Generation (Sommer 2004) lag dem iPod ebenfalls ein USB-Kabel bei, denn erst mit dem Einsatz des Portal Player Chips 5020 ließ sich der iPod via USB auch laden und machte dies zu einer sinnvollen Alternative.

Ab jetzt soll das anders herum sein: Apple-Nutzer, deren Rechner noch über keine USB-Schnittstelle verfügen (das ist bei älteren Apples der Fall) sollen sich ein Kabel für 20 Dollar dazukaufen.

Ab jetzt ist es nicht anders herum, sondern ab jetzt liegt nur noch das USB-Kabel bei. Apple-Nutzer, deren Rechner noch über keine USB-Schnittstelle verfügen, werden auch über keinen Firewire Anschluss verfügen und sowieso keinen iPod nutzen können.

Bei Apple versucht man derweil, die Wogen zu glätten. "Wir haben beide Standards gefördert", sagte Greg Joswiak aus dem iPod-Marketing gegenüber CNet. "Wir versuchen, daraus keine Religion zu machen". Fast eine freudsche Fehlleistung, mit der Joswiak die vermeintliche Lapalie hier herunterredet. Alt-Appleaner fallen da fast vom Glauben ab.

Abgesehen von der Freudschen Fehlleistung, die ich nirgendwo finden konnte und dem grauenvollen Begriff der 'Alt-Appleaner' werden hier die an Joswiaks zitierte Aussage anschließenden zwei Sätze (bei CNET) weggelassen: "Joswiak notes that Apple helped popularize USB when the company went USB-only on the original iMac. "We're also the guys that made USB work," he said. Soviel zum Thema ausgewogene Berichterstattung. Alternativ darf man den Artikel auch als „volleistungs scheisse“ bezeichnen oder für das "unrecherchiert, hastig runtergeschriebene und völlig subjektive Geschreibsel irgendeines Webloggers" halten. Und während ich dem SPON Redaktionsleister Mathias Müller von Blumencron in seiner Aussage "dass 99 Prozent der Blogs einfach nur Müll oder zumindest journalistisch einfach nicht relevant sind" grundsätzlich zustimmen würde, dürfte kaum Zweifel daran aufkommen, dass 99% der SPON-Artikel ebenfalls einfach nur Müll sind (bzw. jegliche journalistische Relevanz suchen gehen müssen). P.S.: Und natürlich lässt sich FireWire nicht mit 'Feuerdraht', sondern nur als Feuerwarndraht passabel übersetzen. TMO hat einen ausführlichen Artikel zum Thema: "Most industry experts agree Apple's decision was the right one in a marketplace where USB is standard equipment on every PC sold today."

Update: Joe Wilcox kommentiert den CNET Artikel, der Patalong als Vorlage diente: "Yesterday's CNET News.com story, "Apples takes a step back from FireWire" is more than just a stretch--and it's another example of sensationalized news reporting that makes it harder to justify the difference between opinionated blogging and responsible journalism."

Update_2: Ein Hallo an die Heise-Leser, die den sonntäglichen Traffic ein wenig vergrößern. Da erfreulich viele von euch mit OS X hier reinschauen, werft ruhig einen Blick ins restliche fscklog.

Posted by Leo at 18:36 | Permalink

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Listed below are links to weblogs that reference Patalong recherchiert Apple kaputt [Update_2]:

» Spiegel Online mal wieder... from Dobschats Weblog

Was Frank Patalong bei Spiegel Online da über die neuen iPods (nur noch mit USB-Kabel, Firewire ist ab sofort Option) ablässt zeigt mal wieder, warum ich den Spiegel schon seit langer Zeit nicht mehr kaufe. Oder um IT&W zu zitieren... [Mehr erfahren]

verlinkt am 25.02.2005 19:30:09

» Spieglein Spieglein an der Wand from Pöbler.de
Was ist das schönste Kabel in der Hand fragt sich der Autor eines Spiegel-Artikels . Und fscklog fragt sich, wer da recherchiert hat. Kann man auch in der Rückseite des neuen iPods sein Spiegelbild sehen? [Mehr erfahren]

verlinkt am 27.02.2005 14:17:51

» Peinlich, peinlich: Spiegel Online schon wieder beim Abschreiben erwischt. from medienrauschen, das Medienweblog
Gerade wir Blogger kennen das ja aus eigener Erfahrung: Wenn es um verläßliche Analysen und gut recherchierte Berichte geht, führt an etablierten Nachrichtenmagazinen wie Spiegel Online und Co. kein Weg vorbei. Da können wir bloggenden "Nachfahren der ... [Mehr erfahren]

verlinkt am 06.03.2005 01:48:40