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10.03.2008

Apples App Store - grandios und beunruhigend (Video)

Mit dem in iPhone OS 2.0 enthaltenen App Store werden Ende Juni 2008 goldene Zeiten für iPhone-Entwickler und iPhone-Nutzer anbrechen: Entwickler können ihre Applikationen problemlos vor einem Millionenpublikum direkt auf dem mobilen Endgerät ausbreiten und haben die Chance, selbst mit kleinen 1-Dollar-Apps einen Umsatz von mehreren Zehn- oder Hunderttausend Dollar zu erzielen.
Den iPhone- und iPod touch-Besitzern steht dafür eine (vermutlich) attraktive Auswahl an "sauberen" Programmen unmittelbar und jederzeit zur Wahl, die extrem simpel zu kaufen, herunterzuladen und zu aktualisieren sind.

Videolink YouTube: SDK-Event, reduziert auf eine Minute und 28 Sekunden (via iPhoneBlog.de).
Der Weg dahin ist allerdings holprig. Noch ist das SDK eine Baustelle ohne Interface Builder und mit eingeschränktem iPhone-Simulator. Das $99/Jahr-Dev-Programm, das alleine zum Testen der eigenen Applikationen auf einem iPhone oder iPod touch zwingend vonnöten ist, steht vorerst nur ausgewählten US-Entwicklern offen und die Limitierungen, die Apple derzeit in den iPhone Human Interface Guidelines (Danke, Manuel!) aufzählt, sind weitreichend: So darf ein Drittprogramm stets nur alleine laufen und schon gar nicht im Hintergrund. Ein Sprung zurück zum Home-Screen und weiter in eine andere Applikation beendet somit das aktive Programm unweigerlich. Dies ist bedingt durch limitierten Speicher, Sicherheitsbedenken und möglichen Akkufraß zwar nachzuvollziehen, problematisiert aber eine ganze Reihe von Programmen, die schlicht im Hintergrund laufen müssen, um wirklich sinnvoll zu sein (Paradebeispiel: Instant Messenger). Diese Einschränkung lässt sich natürlich umgehen, was wiederum klar gegen die 'Guidelines' verstößt und von Apple mit einer Nichtaufnahme in den App Store geahndet werden könnte.
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An dieser Stelle gelangen wir zum Kernpunkt des Problems: Das dämliche "Walled Garden"-Prinzip, das Mobilfunkanbieter jahrelang ihren Kunden aufzwangen und das inzwischen weitgehend aufbrach, wird von Apple unter anderen Vorzeichen erneut errichtet. Apple allein ist darin nicht nur technische, sondern urplötzlich auch moralische (kein "Porn") Instanz, die die Inhalte des App Store willkürlich ("Unforeseen, Bandwith hog") kontrollieren kann. Dies wäre letztlich sicher akzeptabel, wenn nicht der App Store die einzige und gleichzeitig ausschließliche (legitime) Möglichkeit darstellen würde, weitere Programme auf ein iPhone oder einen iPod touch zu bekommen.
Einen schlechten Nachgeschmack hinterlässt zudem die Vorstellung, Apple könnte iPhone OS 2.0 und App Store als Testlauf für tiefergehendes Code Signing in 10.6 "or later" verwenden. Dies würde es Apple auf lange Sicht erlauben, den Markt für Drittsoftware auf dem Mac ebenfalls deutlich zu reglementieren.
Ob Apple die eigenen Vorgaben rund um den App Store letztlich entspannt auslegt und möglicherweise gar lockert, oder stattdessen als drakonischer Gatekeeper auftritt, werden erst die kommenden Monate zeigen. Und wir, als iPhone OS-Nutzer und freudige App-Käufer, sollten Apple dabei sehr genau auf die Finger schauen.

Posted by Leo at 00:36 | Permalink

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