« Apple nimmt 23" Cinema Display und In-Ear-Kopfhörer aus dem Programm | Start | 1394 Trade Association kommentiert firewireloses MacBook »

12.11.2008

50 Millionen Spiele-Downloads: iPhone und iPod touch auf dem Weg zur Handheld-Konsole

Schon seit Anbeginnn des App Store rollen iPhone und iPod touch unweigerlich in den Markt der Handheld-Konsolen. Auf dem iPod-Special-Event Anfang September stellte Apple erstmals den iPod touch unumwunden als Spieleplattform dar und richtete zusätzlich die Werbung entsprechend aus. Ob nun die App Store-Spieleflut Apple in diese Richtung treibt oder Apple dies von langer Hand plante, sei dahingestellt - zweifellos dominieren Spiele den App Store und Apple stellte sich längst mit einer eigenen Spielekategorie im iTunes Store und 'Games' als oberster Kategorie im mobilen App Store darauf ein.

Pünktlich zum anstehenden Weihnachtsgeschäft wurde nun offenbar die zweite Phase eingeläutet und iPhone wie iPod touch erneut als Handheld-Konsole ins Gespräch gebracht: Steve Jobs erzählt dem Wall Street Journal, dass rund ein Viertel der bisherigen 200 Millionen App Store-Downloads Spiele waren. «I think the iPhone and iPod touch may emerge as really viable devices in the mobile games market this holiday season,» meint Jobs. iPod- und iPhone-Marketingchef Greg Joswiak hält den iPod touch im Gespräch mit stuff.tv gar für die 'Zukunft des Spielens'. Schon jetzt gäbe es ein größeres Spieleangebot im App Store als für PSP und DS zusammengenommen, so Joswiak und der iPod touch sei Nintendos DS auch von den grafischen Fähigkeiten her überlegen.
Wohl wahr, doch Quantität und Grafikleistung allein reichen nicht aus, zumal ein Großteil der aktuellen App Store-Spiele als nur geringfügig interessant oder relevant abzuhaken sein dürfte.
So verwundert es auch nicht weiter, dass der PSP-Marketingchef Apple (noch) nicht als große Bedrohung einordnet und darauf verweist, dass Spiele auf iPhone und iPod touch frühestens an zweiter Stelle kämen und derzeit vorrangig als "time waster" herhalten. Nintendo nimmt Apple dahingegen längst als Konkurrenz ernst, dies allerdings offenbar schon vor der großen Spieleoffensive: Auch das Musikhören auf dem iPod stiehlt nämlich die Zeit zum Spielen mit der DS, so sinngemäß der Chef von Nintendo of America. Nintendo reagierte mit der DSi bereits auf den iPod touch - das jüngste Mitglied der DS-Familie, gerade in Japan erschienen, kann neuerdings von Haus aus Musik abspielen, bringt den Browser gleich mit und erhält auch einen eigenen Store, in dem per WLAN eingekauft werden kann.

Tatsächlich fehlen der iPhone-Plattform noch die nachhaltig vereinnahmenden Spieletitel, doch besteht der App Store erst seit vier Monaten und bereits jetzt sind eine Reihe von interessanten Exemplaren vertreten. «Squint your eyes and imagine where we will be in six months time, or a year», so Joswiak. Der von selbigem trefflich als "game changer" bezeichnete rein digitale Distributionsweg in Form des App Store dürfte dabei zu einem Großteil des bisherigen Erfolges beigetragen haben: Sega bezeichnet die über den App Store verkauften Spiele als für die Firma profitabelstes Format und auch EA Mobile erklärte unlängst, mit einem iPhone-Titel den doppelten Umsatz zu erzielen als mit einem zum selben Preis verkauften Titel für Nokias N-Gage. Gerade an N-Gage mit seinem haarsträubenden DRM, geringem Titelangebot und einer Vielzahl an unterschiedlich spielefähigen Endgeräten aus Nokias N-Serie dürfte die iPhone-Spielerei deshalb nicht wirkungslos vorbeirauschen.
Smartphone-Nutzer greifen übrigens lieber zu Spielen als zu geschäftlichen Applikationen, wie die Marktforscher der NPD Group unlängst herausgefunden haben wollen und gerade bei den iPhone-Besitzern legten Spiele unter allen genutzten Anwendungen in den vergangenen drei Monaten am stärksten zu.

Das größte (und vielleicht einzige) Hindernis von iPhone und iPod touch auf dem Weg zur vollwertigen Handheld-Konsole liegt in den fehlenden Tasten, auch wenn der iPod/iPhone-Marketingchef die Multitouch-Geräte als "leere Leinwand" beschreibt, auf die Entwickler die jeweils benötigte Steuerelemente "malen" können. Mit Touchscreen und insbesondere Beschleunigungssensor lässt sich je nach Genre auch durchaus gut auskommen. Doch nicht nur id Software-Mitbegründer John Carmack dürfte aufgefallen sein, dass eine (Tasten-)Steuerung ohne taktiles Feedback relativ ineffektiv ist, da die Daumen nur zu gerne von den virtuellen Steuerelementen abkommen.
Eine unmittelbare Bedrohung für DS und PSP stellen iPhone wie iPod touch vorerst nicht dar, doch ist der mobile Spielemarkt ein weiterer Markt, in den Apple in kürzester Zeit eingedrungen ist und dessen bestehende Strukturen allein durch den App Store wild durcheinandergewirbelt werden.

Dieser Artikel erschien auch im 01blog (powered by CeBIT), für das ich momentan als Autor tätig bin.

Posted by Leo at 20:45 | Permalink

TrackBack

TrackBack-Adresse für diesen Eintrag:
https://www.typepad.com/services/trackback/6a00d83451c7b569e2010535e9d470970b

Listed below are links to weblogs that reference 50 Millionen Spiele-Downloads: iPhone und iPod touch auf dem Weg zur Handheld-Konsole:

Kommentare

Feed You can follow this conversation by subscribing to the comment feed for this post.