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15.07.2009

iPhone-Tethering: Apples Zugeständnis an die Netzbetreiber

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Die Nutzung des iPhones als Modem wurde in iPhone OS 3.0 nahezu perfekt umgesetzt: Ein einzelner Schalter in den Netzwerkeinstellungen aktiviert Tethering, anschließend reicht das simple Verbinden per Bluetooth oder Kabel, um den eigenen Mac ins Mobilfunknetz zu befördern. Es könnte also alles wunderbar einfach sein, doch obwohl Apple den Netzbetreibern die Kontrolle über Endgerät (Hardware- und Software-Branding) und zusätzliche Inhalte (wie Drittsoftware, Musik, Videos, Klingeltöne) weitestgehend entriss, verharren im iPhone OS eine ganze Reihe von Zugeständnissen an die Mobilfunkpartner. Durch die Netzbetreibereinstellungen können diese nicht nur das iPhone mit den Einwahldaten für ihr jeweiliges Netz vorbereiten, sondern auch bestimmte Einstellungen versteckt halten und beispielsweise den praktischen Tethering-Schalter dem Kunden gänzlich entziehen.

Tethering droht sich nämlich zum doppelten Problem für die Netzbetreiber zu entwickeln. iPhone-Kunden verbrauchen längst weit über dem Durchschnitt liegende Datenmengen und da das Tethering mit iPhone OS 3.0 genauso einfach zu nutzen ist, wie der gewöhnliche Netzzugriff mit dem iPhone, dürfte sich der Datenverbrauch künftig noch dramatischer erhöhen. Während das iPhone allein höchst intensive und WLAN-aversive eingesetzt werden muss, um monatlich in den vierstelligen Megabyte-Bereich zu gelangen, lassen sich bei der Nutzung als Modem mehrere hundert Megabyte auch problemlos an einem einzigen Tag verbrauchen. Dies droht AT&Ts wankelmütiges UMTS-Netz endgültig in die Knie zu zwingen und die Kalkulation der fröhlich als "unbegrenzt" vermarkteten Complete-Datentarife gehörig durcheinanderzubringen - deren Begrenzung (mit anschließender Geschwindigkeitsdrosslung) auf 300MB oder 1GB sowie 5GB dürfte von vielen Kunden niemals auch nur annähernd erreicht worden sein.
Die Mobilfunkanbieter können natürlich gegenlenken, wie z.B. T-Mobile im Frühjahr 2009 und die Nutzung des Datenvolumens außerhalb des iPhones (also beispielsweise mit einem angebundenen Computer) vertraglich ausschließen. Technisch bleibt das Problem aber bestehen: Den Zugriff auf das Mobilfunknetz mit einem HSPA-USB-Stick kann der Carrier per 'IMEI-Fencing' leicht erkennen, da die IMEI den Stick bei seiner Einwahl klar als Stick und ein iPhone wiederum klar als spezifisches iPhone identifiziert. Agiert das iPhone aber zugleich als Modem, sieht der Netzbetreiber lediglich die iPhone-IMEI, die zum Verbrauch der "Inklusivdaten" zugelassen ist.

Ein kleiner Einschub an dieser Stelle: Es mag durchaus sein, dass T-Mobile schon jetzt oder künftig über erheblich ausgefeiltere Methoden verfügt, die auch das iPhone-Tethering unabhängig vom offensichtlich geänderten Nutzungsverhalten erkennen können - bislang stützen sich die Carrier aber auf Bedrohungsszenarien, wie beispielsweise O2 UK. Der englische iPhone-Exklusivanbieter behält sich vor, außerplanmäßigen iPhone-Modem-Nutzern dies in Rechnung zu stellen oder die Verbindung zu trennen. (Danke, MD!)

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Dieser Zweifach-Problematik aus stark steigendem Datenverbrauch und der aufwändigen automatisierten Erkennung des Tetherings kann der Netzbetreiber mit den durch Apple gebotenen Möglichkeiten entgegentreten und zugleich zusätzlich zur Kasse bitten. Der Tethering-Schalter bleibt im iPhone OS solange verborgen, bis er mit einem iTunes-Update der Netzbetreibereinstellungen aktiviert wird. Darin lässt sich außerdem ein neuer, spezieller Zugangspunkt (APN) für das Tethering hinterlegen, der ausschließlich von den Kunden genutzt werden kann, die eine entsprechende Tethering-Datenoption zu ihrem Vertrag hinzugebucht haben. Dies ist auch der Grund dafür, dass T-Mobile keine Unterscheidung zwischen Complete-Verträgen der 1. und 2. Generation trifft: Tethering kann in dieser Form nicht kostenlos für alte Verträge freigeschaltet werden (in denen die entsprechende Nutzung nach wie vor erlaubt ist), ohne zugleich auch den Kunden mit den neuen Verträgen (in denen die Modem-Nutzung untersagt ist) eine kostenlose Tethering-Option bereitzustellen.

Selbstverständlich können Carrier einen anderen Weg wählen und das Tethering mit demselben APN zulassen, der auch für die restlichen Netzverbindungen des iPhones genutzt wird. So steht beispielsweise seit einigen Tagen eine neue Version der Swisscom-Netzbetreibereinstellungen für die eigenen Kunden über iTunes zur Installation auf dem iPhone bereit. Diese aktiviert die Möglichkeit zum Tethering und die dabei verbrauchten Daten werden vom Datenvolumen des jeweiligen iPhone-Vertrags abgezogen, welches wiederum bei der Swisscom maximal 1 Gigabyte pro Monat beträgt. Jedes anschließende Megabyte kostet dann umgerechnet rund 7 Cent (und maximal rund 3,30 Euro pro Tag beim Überschreiten von 50MB) - ein lächerlich geringer Preis für deutsche Mobilfunkverhältnisse, doch wer täglich intensiv das Tethering nutzen würde, müsste dennoch rund 100 Euro pro Monat extra zahlen. (Danke, sigma2!) Entsprechend wird es eine spezielle Option für Vielnutzer geben, die ein Datenvolumen in Höhe von 10GB pro Monat (sowie eine anschließende Drosslung) umfasst und umgerechnet knapp 40 Euro kostet - ein zumindest akzeptabel erscheinendes Angebot. Der Netzbetreiber kann also durchaus dem Vielnutzer ein zusätzliches kostenpflichtiges Angebot unterbreiten ohne zugleich die iPhone-Bestandskunden mit ihren "normalen" Datenverträgen zu verärgern.

Der Preis der Tethering-Option bei T-Mobile ist noch unbekannt, doch mit einem sonderlich attraktiven Angebot wird wohl kaum jemand rechnen. iPhone-Bestandskunden mit Complete-Verträgen der 1. Generation sind zudem zu Recht verärgert, denn einer entsprechenden Nutzung des iPhones steht vertraglich nichts im Weg - rein die technische Freischaltung wird verweigert. Auch das eigenmächtige (Jailbreak-lose) Tethering-Aktivieren könnte sich künftig als schwierig(er) erweisen, Apple begann offenbar mit iPhone OS 3.1b2, die gängigen Tethering-Hacks zu unterbinden.

So komfortabel das Tethering mit iPhone OS 3.0 also softwareseitig wurde, so kompliziert bleibt es durch Apples Einschränkungen und die geschäftlichen Interessenlagen der Carrier. Sieht man von diesen ärgerlichen Beschränkungen kurz ab, taugt das iPhone derzeit sowieso nur bedingt als vollwertiges UMTS-Modem: Zwar unterstützt das 3GS inzwischen HSDPA mit bis zu 7,2 Mbit/s, allerdings fehlt bekanntlich weiterhin HSUPA und Uploads müssen deshalb immer noch mit kläglichen 48KB/s (maximal) Vorlieb nehmen. Zudem bewegt sich ein HSPA-USB-Stick oft noch zuverlässig im UMTS-Netz, wenn das iPhone sich längst in Richtung EDGE verabschiedete.

Posted by Leo at 19:54 | Permalink

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