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18.01.2010

Süddeutsche Zeitung erkauft positive Bewertungen im App Store [Update_2]

Wie Jan Tißler im Upload Blog darlegt, bedient sich die Süddeutsche Zeitung zur verstärkten Bewerbung ihrer noch recht jungen iPhone-App(s) auch des von der "Social Media Marketing"-Agentur Trigami angebotenen Advertorials. Laut Trigamis Produktbeschreibung handelt es sich dabei um "redaktionelle Werbetexte, geschrieben von Bloggern, 100% positiv durch Inhaltskontrolle" [des Kunden]. Dass ausgerechnet die SZ auf eine derartige Werbeform zurückgreift, erstaunt zwar, ist aber nicht per se illegitim (die "Artikel" müssen jeweils als Anzeige gekennzeichnet sein).
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Problematisch ist dahingegen ein weiterer, fester Bestandteil der Kampagne - zu den für eine Bezahlung nötigen Anforderungen zählt laut der von Trigami an registrierte Blogs verschickten Ausschreibung nämlich der Kauf der 1,60 Euro kostenden iPhone-App sueddeutsche.de Gold: "Nach dem Runterladen der Gold Applikation müsst Ihr bitte einen möglichst positiven Kommentar im App Store hinterlassen", so die Anforderung im Wortlaut. Auf diesem Wege lässt sich nicht nur die wichtige Platzierung in den Verkaufscharts des App Stores begünstigend beeinflussen, sondern die Kundenbewertungen geraten (endgültig) zur Farce und werfen unmittelbar die Frage auf, wie viele der 63 Fünf-Sterne-Bewertungen im Falle der sueddeutsche.de Gold-iPhone-App auf diesem Wege eingekauft worden sind.
Im Dezember entfernte Apple das Angebot eines Entwicklers komplett aus dem App Store, der systematisch auf Fake-Bewertungen für die eigenen iPhone-Apps setzte - eine Stellungnahme durch Apple zum aktuellen Fall steht noch aus.

Update 13:25 Uhr:
Apple Deutschland wollte die Geschichte nicht kommentieren, aber Trigami meldete sich inzwischen zu Wort und übernimmt die komplette Verantwortung: "Herr Bilz-Wohlgemuth [verantwortlich für das Marketing bei sueddeutsche.de] hat mir telefonisch ausdrücklich bestätigt, dass das Ziel der Kampagne niemals war, Bloggern vorzuschreiben, was sie zu sagen hätten. Es sei lediglich zum Ausdruck gebracht worden, dass das Wunschresultat der Kampagne möglichst viele positive Berichte und Kommentare (auch im Apple Store) wären (wer möchte das nicht…). Aufgrund eines internen Fehlers ist diese Information dann wortwörtlich ins interne Briefing gerutscht und ist dann bis zuletzt drin geblieben und bedauerlicherweise auch ins öffentliche Blogger-Briefing übertragen worden. Ausserdem wurde aufgrund dieses Kommunikations-Fehlers dem Kunden empfohlen, eine Advertorial-Kampagne zu machen, obwohl eine Text-Review Kampagne die deutlich bessere Wahl gewesen wäre. Daraus werden wir interne Konsequenzen ziehen, damit dies nicht mehr passiert." Die Kampagne wurde auf Wunsch von sueddeutsche.de bereits beendet - was aus den gekauften App Store-Bewertungen wird, bleibt offen.

Update_2 20.01.2010 13:25 Uhr: Auch die SZ selbst widmet sich der Geschichte und schreibt: «Die Redaktion der Süddeutschen Zeitung war über die Trigami-Kampagne ebenso wenig informiert wie die Redaktion von sueddeutsche.de. Beide verurteilen den Versuch, über bezahlte Blog-Einträge Werbung zu treiben.[...] Bilz-Wohlgemuth sagt, Trigami habe seinen Auftrag "falsch verstanden". Er habe in drei Telefonkonferenzen Wert darauf gelegt, "keine Lobhudelei" zu bestellen; die neuen Apps sollten lediglich besprochen werden. Er habe nach den mündlichen Vereinbarungen nicht mehr geprüft, was sich hinter dem Begriff "Advertorial" im Falle von Trigami verberge. "Das", sagt er, "war ebenfalls ein großer Fehler.»

Posted by Leo at 12:37 | Permalink

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