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3.07.2010

iPhone-Empfangsprobleme: iOS 4.0.1 als iOS 2.1 mit umgekehrten Vorzeichen?

Großes Drama und lange Diskussionen um schwankende Signalbalken und Empfangsprobleme beim iPhone sind wahrlich kein neues Phänomen: Schon im Sommer 2008 folgten auf den Verkaufsstart des iPhone 3G wochenlang Berichte über schlechten Empfang und anhaltende Spekulationen über einen fehlerhaften UMTS-Chipsatz, inklusive diverser obligatorischer Problem-Analysen. Apple begegnete der Problematik damals in zwei Schritten: iOS 2.0.2 enthielt eine neue Modem-Firmware, die die "Kommunikation mit dem UMTS-Netz verbessert" und mit iOS 2.1 hielt schließlich eine "verbesserte Genauigkeit der Anzeige des UMTS-Signals" Einzug. Etliche Nutzer berichteten damals, dass ihr iPhone zwar plötzlich mehr Balken anzeigt, Verbindungsabbrüchen aber unverändert auftreten - so verschob sich die Schuldzuweisung von der iPhone-Hardware auf das schon damals weiträumig strapazierte AT&T-Netz und es wurde recht still um diese Empfangsproblematik, die hierzulande im Netz von T-Mobile sowieso vergleichsweise selten anzutreffen war.
Zwei Jahre weitergespult gelangt man zu Apples gestrigem Eingeständnis, dass die Formel zur Berechnung der Signalstärkenanzeige schon seit dem ersten iPhone "komplett falsch" gewesen sei - dies mag natürlich schon so lange der Fall sein, doch drängt sich der Verdacht auf, dass mit iOS 4.0.1 insbesondere die balkenfördernde Änderung in iOS 2.1 revidiert wird, nachdem diese sich in Kombination mit dem auf bestimmte Handhaltungen hin abgeschwächten Empfang des iPhone 4 als unvorteilhaft erwies.
balken.png
Grafik: AnandTech
Bei gutem Netzempfang zeigt sich eine Empfangsproblematik beim iPhone 4 nämlich kaum (so auch meine eigene Erfahrung mit drei verschiedenen Geräten), bei schwächelndem Netz hingegen, das dennoch weiterhin zu einer Anzeige von fünf Balken hinreicht, resultiert der "Griff des Todes" dahingegen in einem drastischen Balken-Schwund. AnandTech erklärte dies vor einigen Tagen einleuchtend genug: Im Bereich der weit differierenden Signalstärke von -51dB bis -91dB zeigt das iPhone konstant fünf Balken an, schwächt sich der Empfang handhaltungsbedingt um 20dB bei einer hohen Signalstärke von -51dB ab, ist keine Änderung auf dem Display zu erkennen. Kommt es allerdings bei einer Signalstärke von -91dB zur selben handgemachten Empfangsschwächung, dann stürzt die Anzeige des Mobilfunksignals plötzlich von fünf Balken auf einen Balken.

Nun erscheint die (Rück-)Anpassung der Mobilfunksignalanzeige sicher grundsätzlich sinnvoll und da es dafür keinen verbindlichen Standard gibt, kann Apple die bisherige nach eigenen Worten fehlerhafte Kalkulation nur in ihrer übertriebenen Vorteilhaftigkeit zum Vorwurf gemacht werden. Zwar dürfte fast jedes Mobiltelefon eine Hand-Umklammerung mit schwindender Empfangsstärke bezahlen, doch beim iPhone 4 äußert sich dies bei einer recht gewöhnlichen Handhaltung offensichtlich besonders stark (und erheblich stärker als beim iPhone 3GS bzw. iPhone 3G). So bleibt als eigentliche Frage, ob iOS 4.0.1 mit mehr aufzuwarten weiß als lediglich der kosmetischen Balkenanpassung - denn diese allein dürfte den per Hand abgeschwächten Empfang kaum mindern. Zudem bleibt offen, ob es eine größere Zahl von iPhone 4-Geräten gibt, die besonders drastisch auf die Berührung des schwarzen Streifens an der linken unteren Seite reagieren und diese nicht nur durch schwindende Balken sondern vielmehr durch einen Netzverlust quittieren - diesen Nutzern dürfte iOS 4.0.1 nur schwerlich weiterhelfen.

Posted by Leo at 11:54 | Permalink

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